Gestern gab es über München und Umgebung einen Sturm. An sich nicht von Bedeutung, abgesehen davon, dass es regnete, als seien alle Schleusen geöffnet worden. Und es hagelte, als gäbe es kein Morgen mehr. Während einige Tapfere sich hinauswagten, um ihren Bus, ihre Tram oder ihre S-Bahn zu erreichen, hielten manch andere unter Dach aus und erfreuten sich an dem kühlenden Nass. Als kurz darauf wieder die Sonne schien, schien alles vergessen.
Warum ich diesen Sturm dann überhaupt erwähne, wenn nichts Großartiges passiert ist? Weil er wieder einmal gezeigt hat, wie machtlos der Mensch der Natur gegenüber ist. Er kann noch so viele Dämme bauen, noch so viele Flussbefestigungen errichten, die Natur findet einen Weg.
Nicht, dass der Mensch nicht versuchen würde, die Natur zu zähmen. Wälder, die einer Straße im Weg sind, werden kurzerhand abgeholzt. Flüsse, die bei starkem Regen über die Ufer treten, werden kilometerweit mit Betonwänden verziert. Boden, der matschig werden könnte, wird gepflastert. Doch gerade deswegen können die Naturgewalten, seien es Wind oder Wasser, sich ungehindert ausbreiten und mit voller Wucht zuschlagen. Wo früher das Regenwasser recht schnell im Boden versickern konnte, steht es heutzutage stundenlang und bildet kleine Teiche, die auf ihre Art einladend wirken, dem Menschen aber die Fortbewegung erschweren oder gar ganz verbauen. Wo früher der Wind sich in ausgedehnten Wäldern fangen konnte, fegt er heute über Äcker und Brachland, weht die ausgestreute Saat davon und schiebt auch gerne das ein oder andere Auto von der Straße in den abseitigen Graben.
Noch kommt der Mensch einigermaßen klar, doch früher oder später wird er den Kampf gegen den Planeten verlieren. Grundlos zerstört er seinen Lebensraum ohne Rücksicht auf Verluste. Er häuft Müll zu wahren Bergen an, die man irgendwann erklettern und mit einem Gipfelkreuz aus Aludosen krönen wird. Sofern der Müllberg nicht schon vorher ins Rutschen gerät und die Massen unter sich begräbt.
Anscheinend haben die Wenigsten verstanden, dass alles, was sie tun, auch Konsequenzen hat, unter denen sie früher oder später zu leiden haben werden.
Diejenigen, die es bereits begriffen haben und auf die Massen einreden, ernten nur Hohn und Spott. Eines Tages, liebe Mitbürger, wird mit dem Finger auf euch gezeigt werden. Eines Tages werdet ihr zu hören bekommen “Wir haben es euch gesagt”.
Ich hoffe, ihr werdet es selbst noch erleben. Eure Kinder würden es euch nicht danken, dass ihr ihre Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes verbaut habt.



